Berlin

Auf der roten Ledercouch zwischen Ted und Robin

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„Also Kinder, ich erzähle euch jetzt die Geschichte, wie ich … “ und schon ging sie los! Eine meiner erklärten Lieblingsserien während des Studiums. Nicht nur, weil sie vorlesungsfreundlich ab 16 Uhr über die Bildschirmfläche flimmerte, sondern auch, weil mich einige Charaktere einfach zu genau an meinen eigenen Freundeskreis erinnerten. Die Rede ist natürlich von „How I met your mother“. Darin erzählte Ted seinen Kindern (sehr, sehr) ausführlich, wie er ihre Mutter kennengelernt hat und vor allem, was er in dieser Zeit alles erlebte. Und egal, was er alles erlebte, es begann oder endete meistens im „Mc Laren’s“, dem Stammpub von ihm und seinen vier Freunden. Genau das schien auch den Pub-Betreibern in der Boxhagener Straße aufgefallen zu sein, als sie 2011 ihr eigenes „Mc Laren’s“ eröffneten. Dass ich dort mal vorbei schauen musste, liegt natürlich auf der Hand ;).

Mc Larens Pub EingangLetzte Woche war es dann endlich so weit. Mein Liebster war zurück von seinen weihnachtlichen Familienbesuchen und hatte sogar noch Schwesterherz und Freund aus NRW mitgebracht: Also DIE Gelegenheit, um mal wieder richtig mit Berlins außergewöhnlicher Trinkkultur zu prahlen ;). Nach einer kleinen Stärkung im „San Diego Steakhaus“ zogen wir also in Richtung Boxhagener Straße, um die Reste des Fleischinfernos runterzuspülen. Und da sahen wir sie auch schon: Umspielt von einer großen Plane mit der Aufschrift „Puzzles“ (die HIMYM-Fans unter euch wissen, was das bedeutet 🙂 ) lud eine grüne Tür zum Ziehen und Durchgehen ein. Dem kam ich nur allzu gerne nach und schwang mich neugierig und vielleicht auch ein bisschen aufgeregt hindurch.

Drinnen angekommen fielen mir sofort die roten Sofa-Sitzecken mit dem Tisch in der Mitte auf! Jawoll, genauso hatte ich mir das vorgestellt! Jeden Moment hätten Ted und Barney kommen können, um ihren Platz zu beanspruchen und dann … oh Moment. Als ich mich gerade von den Sofas abwandte, kamen plötzlich doch noch einige Ungereimtheiten zum Vorschein. Der Pub zog sich nämlich ziemlich weit in die Länge und war deutlich schmaler geschnitten als das Original in der Serie. So wirkten die kleinen Holztische an der Wand, die sich direkt gegenüber der Sofaecken befanden, fast ein bisschen gequetscht. Nun gut – nobody’s perfect, für den Raumschnitt kann schließlich niemand was. Also düste ich schnellen Schrittes den schmalen Gang hinunter und sicherte uns prompt die größte Sofa-Tisch-Kombo im Laden :).

Mc Larens Pub Berlin SpeisekarteAls wir uns endlich aus den Jacken gepellt hatten (was durch die Kälte an diesem Tag seine Zeit dauerte), stand auch schon die freundliche Kellnerin mit den Speisekarten an unserem Tisch. Mit einem breiten Lächeln überreichte die jedem von uns ein Exemplar und wandte sich wieder den anderen Gästen zu. Nun war ich ja wirklich gespannt … was es wohl für Drinks geben würde? Und vor allem, zu welchem Preis? Ein wenig mulmig warf ich also einen Blick hinein. Doch zu meiner freudigen Überraschung lachten mir bereits auf der ersten Seite verschiedene frisch gezapfte Malzsäfte entgegen – ab gerade mal … „Achtung, jetzt kommt es!“ – 3,40 € pro halber Liter (Berliner Pilsener)! Wow, das hätte ich wirklich nicht gedacht – auf die gute alte Friedrichshainer Kneipenkultur ist eben immer Verlass ;). Zum Unglück von Freund Fassbier stand heute allerdings allgemeines Cocktailtrinken auf dem Programm, sodass ich mich schweren Herzens der Mehrheit fügte und den süßen Drinks zuwandte. Nach langem Hin und Her fiel meine Wahl schließlich auf den MacLaren’s Special (weißer Rum, brauner Rum, Kokossirup, Grenadine, Limettensaft,Bananensaft, Ananassaft, Orangensaft) für 5,50 €. Das war auch der freundlich-aufmerksamen Kellnerin nicht entgangen, die uns keine Minute aus den Augen gelassen hatte. Im Roadrunnerschritt kam sie wieder an den Tisch geeilt und notierte sich zügig die Bestellungen. Dann düste sie wieder davon.

Mc Larens Pub BerlinAls wir nun unseren Drinks entgegen fieberten, bemerkte mein Liebster (ebenfalls ein kleiner HIMYM-Fan) plötzlich einen gelben Stockschirm an der Decke! „Guck mal, das ist doch der Schirm von Ted’s Frau“, hauchte er mir ins Ohr. Und Recht hatte er! Da hang tatsächlich der Schirm von Ted’s Frau. Breit grinsend schaute ich vom Schirm wieder zurück zu meinem Freund, wo mir hinter seinem Rücken prompt das nächste Highlight ins Auge sprang: „Und da ist die Jeansjacke von Robin Sparkles!“ Erst jetzt, wo wir alle in Ruhe auf dem riesigen roten Sofa saßen, fielen uns nacheinander die vielen liebevollen Serien-Details an den Wänden des Pubs auf. So fanden sich neben dem Schirm und der Jacke u.a. auch Barney’s Anzug, die kaputte Jukebox und die Schwerter aus Ted & Marshall’s Appartement wieder. Die Begeisterung für den ProSieben-Vorabend-Klassiker konnte hier jedenfalls niemand bestreiten!

Immer noch die Wände anstarrend, lenkte plötzlich jemand anderes wieder die Aufmerksamkeit zur Mitte des Tisches: Die freundliche Kellnerin war nämlich zurückgekehrt und hatte unsere Drinks im Gepäck. Voller Vorfreude nahm ich meinen entgegen und rührte – zugegeben ein bisschen gierig – mit dem Strohhalm in ihm herum. Als ich nun schaute, ob alle ihre süßen Mix-Säfte vor sich hatten, blieben meine Augen prompt am Glas meines bedröppelt guckenden Freundes hängen: Da Cocktails Mc Larensbefand sich doch tatsächlich ein knallpinker großer Cocktail („Robin Scherbatsky“ für 7,00 €) in seinen zarten Händen! Ich konnte nicht mehr! Herzhaft fing ich an zu lachen (das hatte er nun von seiner ewigen Cocktailtrinkerei 😀 ), worauf er etwas beschämt nach unten schaute und verlegen grinste.

Nichstdestotrotz war es nun endlich Zeit für die große Kostprobe. Neugierig zog ich an meinem Strohhalm und war … „Achtung, jetzt kommt’s, es kommt gleich!“ begeistert! Eine wirklich leckere Kombination aus fruchtig-süß und limettig-sauer mit einem kleinen Hauch typisch herben Rumgeschmacks! Sehr zu empfehlen! Und auch die Anderen (allen voran mein pinke-Cocktails-schlürfender-Freund) waren höchst zufrieden mit ihren Kreationen. So brauchte es nur noch einen letzten Zutscher aus dem Cocktailglas, bis die freundlich-aufmerksame Kellnerin wieder bei uns am Tisch stand und wir die Rechnung ordern konnten.

Fazit des Abends: Eine sehr gemütliche Pub-Bar mit moderaten Preisen und einer unheimlich aufmerksamen Bedienung! Wer dazu noch auf die Serie HIMYM steht, wird diesen Laden wahrscheinlich zu seiner neuen Lieblings-Location küren. Zwar entspricht sie nicht ganz den Maßen, die man aus dem Fernsehen kennt, ist dafür aber mit umso mehr Liebe zum Detail ausgestattet. Ted, Robin & Co. hätten sich hier mit Sicherheit sehr wohl gefühlt ;).

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Die roten Klänge der deutschen Hausmannskost

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An den Eßgewohnheiten scheiden sich doch immer wieder die Geister. Der eine ißt morgens überhaupt nichts und langt dafür am Mittagstisch ordentlich zu, für den anderen zählt das Frühstück als Hauptmahlzeit und wiederum andere pflegen ein riesiges Dinner, bevor sie ins Bett gehen. Und dann gibt es da noch die Revolutionären, quasi die Che Guevaras unter den Nahrungsaufnehmern: Bei denen wird sich einfach zu jeder Gelegenheit der Bauch vollgehauen und auf geregelte Essenszeiten gepfiffen. Entgegen der allgemeinen Meinung gehöre ich nicht dieser Gruppe an :), sondern bin eher ein Verfechter von Frühstück und Mittag. Morgens hab ich schlichtweg einen riesigen Kohldampf und würde es ohne einen kleinen Snack nicht mal bis unter die Dusche schaffen, während sich gegen eins zum wieder leeren Magen noch der Appetit dazu gesellt. Umso wichtiger also, dass man neben einem angenehmen Völlegefühl auch mit zufriedenen Geschmacksnerven aus der Mittagspause zurückkehrt. Genau das versprach ein Tipp des weisen WWW, den ich natürlich sofort mit ein paar Kollegen testen musste: die „Roten Harfe“ am Heinrichplatz.

Rote Harfe BerlinUm ehrlich zu sein, hatte ich das Lokal schon des Öfteren gesehen, aber irgendwie nie in Erwägung gezogen, dort reinzugehen. Vielleicht lag es an den roten Leuchtbuchstaben über dem Eingang, die eher an leicht bekleidete Damen erinnern als an einen reichlich gedeckten Mittagstisch. Doch dieses Mal gab es kein Zurück – neugierig und auch ein bisschen vorsichtig wagten wir uns in die bisher verschmähten Räumlichkeiten des deutschen Restaurants. Was mir drinnen sofort auffiel, waren die dürftig besetzten Tische der Gaststube. Immerhin war es ein Uhr – DIE Zeit, um sich nach einem arbeitsintensiven Vormittag mit Freund Bauch gut zu stellen. Hier tat man das offenbar nicht. Da stellte sich mir natürlich direkt die Frage: Lag es am Essen? Oder vielleicht doch eher an der unglücklich gewählten Farbe der Leuchtbuchstaben 😉 ?

Egal, der Magen brummte, also nahmen wir Platz. Nach ein paar Minuten kam auch schon die freundliche Kellnerin angefegt und legte uns fast schon ein bisschen ehrwürdig die Speisekarten auf den Tisch. Beim Aufklappen fiel mein Blick direkt auf die Business Lunch-Tageskarte (je Gericht 5,50 €). Dabei standen jeweils ein vegetarisches und ein Fleischgericht zur Auswahl – in unserem Fall eine vegetarische Lasagne und Rindergulasch. Wer mich ein bisschen kennt, wird sicherlich schon erahnen können, für was mein Herz schlug. Richtig! Gulasch! Da ich von Hause aus sowieso ein großer Gulasch-Fan bin, freute ich mich umso mehr auf diesen angepriesenen saftigen Fleischwürfel-Traum. Wie sich später herausstellte, vollkommen zu Recht. Aber ich will nicht vorgreifen – erstmal gesellte sich die Bedienung an unseren Tisch, um die Bestellungen aufzunehmen. Witzigerweise wurde die Lasagne konsequent von allen verschmäht – einem Rindergulasch kann man eben einfach keine Abfuhr erteilen ;).

Nachdem die Kellnerin mit unseren Wünschen in der Küche verschwunden war, nutzte ich die Gelegenheit zur obligatorischen Orts-Inspektion. Genau wie die Gerichte selbst, beeindruckte auch die Einrichtung mit einem einfach-rustikalen Charme. Durch die dunklen Holztische-/stühle und die schummrig-gedämmte Beleuchtung stieg bei mir sofort das „Hier fühl ich mich wohl!“- Barometer. Besonders schön fand ich die große Stellwand auf der rechten Seite, in der verschiedene Weine dekorativ präsentiert wurden. Das verlieh dem Ganzen irgendwie noch einen kleinen mediterranen Touch und ließ ein leises Urlaubsgefühl aufkommen – genau das Richtige für die einstündige Auszeit vom stressigen Arbeitsalltag!

Rote Harfe Business LunchImmer noch gedanklich im nächsten Urlaub, erspähte ich plötzlich die grinsende Kellnerin (wahrscheinlich hatte sie in der Küche bereits den Gulasch probiert), wie sie sich elegant um die vielen Tische in unsere Richtung schwang – natürlich mit vollen Tellern im Gepäck. Bereits jetzt konnte ich schon den würzigen Duft der kleinen Fleischwürfel riechen, was eine direkte Reaktion meiner Stimmbänder auslöste: Mit einem raunenden „Ooooooouuuuu“, wie man es vielleicht aus Fußballstadien kennt, kommentierte das Organ des ewigen Hungers die Ankunft seiner Vernichtung. Nun konnte es an’s Eingemachte gehen. Gierig griffen alle nach den Gabeln und begannen voller Vorfreude, im Kartoffel-Fleisch-Brei rumzumanschen. Auch ich hatte eine prächtig gefüllte Gabel unter meiner Nase und schob sie erwartungsvoll in den Mund. Prädikat: Unglaublich köstlich! Butterweiches, zartes Fleisch, kombiniert mit einer kräftig-würzigen Bratensoße und grob gestampftem Kartoffelbrei ergaben ein echtes Geschmackserlebnis! Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich gedacht, bei meiner Mutti am Eßtisch zu sitzen. Wirklich phantastische solide Hausmannskost mit einem Pfiff Extra-Kreativität! Kauend blickte ich in die Runde: Die Gabeln der Kollegen lagen keinen Moment still, sondern schaufelten im Akkord die Kartoffel-Fleisch-Kombo in ihre offen stehenden Münder. Dabei konnte ich hier und da ein zufriedenes Lächeln beobachten. Offenbar waren sie gedanklich ebenfalls an Mutti’s Eßtisch gelandet.

Keine zehn Minuten brauchte es, um die liebevoll angerichteten Teller zu verwüsten und leer zu putzen. Dafür konnten wir nun gut gesättigt und hoch zufrieden die Rechnung ordern. Mit den besagten 5,50 € war das auch ein wirklich leichtes Unterfangen – selbst Freund Portemonnaie zeigte sich beeindruckt und verkroch sich nach der Verabschiedung von seinen 6,00 € wieder frohen Mutes in die Tasche zurück.

Fazit des Ganzen: Wer ein Fan solider Hausmannskost mit einem kleinen Spritzer Orginalität ist, wird an der roten Harfe seine wahre Freude haben! Die hohe Qualität der Gerichte wird nur noch von dem unschlagbaren Preis während der Mittagszeit übertroffen. Das gemütliche Ambiente und die freundliche Bedienung runden das Erlebnis „Bei Mutti am Eßtisch sitzen“ schließlich ab. Ich für meinen Teil habe mir jedenfalls schon den Speiseplan für die nächste Woche zu Gemüte geführt ;).