Gay

Im Tavernen-Traumhaus von Barbie und Ken

Gepostet am Aktualisiert am

Und schon wieder ist das Jahr fast zu Ende – wirklich erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Da erinnert man sich doch gerne mal an seine Kindertage zurück: Unbeschwert im Zimmer sitzen, sich Luftschlösser ausmalen und mit viel Phantasie irgendwelche kuriosen Geschichten mit Puppen und Kuscheltieren nachspielen. Dazu muss ich sagen, dass ich, was Spielzeug betrifft, nicht unbedingt die typischen Mädchensachen toll fand. Statt Barbie und Ken anzukleiden, ließ ich lieber Papa’s Matchbox-Wagen über den mit Straßen und Ampeln gespickten Autoteppich rollen. Dazu ein fescher Kurzhaarschnitt – fertig war die Illusion vom perfekten Sohn :). Doch von einem konnte ich tatsächlich nicht meine Augen lassen: dem Barbie-Traumhaus im praktischen Kofferformat! Als das zum ersten Mal durch die Werbepause flimmerte, drängelte ich so lange, bis ich es tatsächlich zu Weihnachten bekam. Seitdem ist die Liebe zu Barbie’s Traumhaus ungebrochen. Daher kann man sich wahrscheinlich gut vorstellen, wie sehr ich in Ekstase geriet, als ich im weisen WWW von der „BarbieBar“ in Kreuzberg las! Es gab nur noch zwei Dinge zu tun: Geld einpacken, einen Freund überreden und schon ging’s los ins rosa-rote Vergnügen am Mehringdamm.

Barbie-Bar Berlin außenBereits von Weitem lächelte mir das farbenfrohe Schild entgegen, sodass man den Eingang ins puppige Hauptquartier kaum verfehlen konnte. Die Neugier war geweckt, die Vorfreude entflammt: Endlich sollte ich Gast in einer Bar sein, die das Barbie-Traumhaus genauso liebte wie ich es einst tat. Daher stürmte ich auch direkt als Erste durch die schwere Eingangstür, dicht gefolgt von meiner weit weniger enthusiastischen Begleitung :). Drinnen angekommen, fiel mir sofort der prinzessinenhafte Kronleuchter ins Auge, der mein Kitschlampenherz direkt höher schlagen ließ. Leider war das aber erstmal das einzige Highlight, was man mit Barbie’s Traumwelt verbinden konnte. Denn eine höher gelegene Sitzbank mit diversen Tresenschemeln oder eine Bar mit entsprechenden Hockern fällt nach meinem Verständnis eher in die Rubrik „Eckkneipe“.

Nichtsdestotrotz zogen wir (immer noch frohen Mutes) an der Sitzbank vorbei und kamen so in den hinteren Bereich des Ladens. Hier bot sich uns dann ein deutlich authentischeres Bild: kleine rustikale Tische, teilweise auch mit Sofas, umgeben von einer rosa-farbenen Wand. Süß! Süß und mädchenhaft! Also überlegten wir nicht lange und schwangen uns direkt an einen der gemütlichen Tische mit Blick zur Bar. Dabei fiel mir auf, dass sich die Liebe zur Schweinchenfarbe an den Wänden durchaus auch im vorderen Teil des Ladens zeigte – wahrscheinlich war mir das durch die Sitzbank mit den Barschemeln entgangen. Aber so wurde das kneipenhafte Ambiente doch wieder ein bisschen entschärft.

BarbieBar BerlinDer freundliche Barmann hatte offenbar meine leicht-kritischen Blicke registriert und eilte sofort an unseren Tisch – natürlich mit der Speisekarte im Schlepptau. Neugierig und gespannt klappte ich das gute Stück auf und blätterte in Richtung Getränke. Und was sahen meine Malzsaft-suchenden Äuglein da?! Gutes dunkles Köstritzer (0,5 l für 3,50 €)! Damit war die Wahl direkt getroffen! Auch dem aufmerksamen Kellner war meine Entscheidungsfreude nicht entgangen und er eilte abermals zu unserem Platz. Nachdem wir nun die zwei Bier geordert hatten, erspähte ich plötzlich das nächste Highlight im Laden: Vorne neben der Bar (wie konnte mir dieser Anblick beim Reinkommen nur entgangen sein?! – wahrscheinlich wieder die Schuld der Sitzbank 😀 ), präsentierte sich uns eine hoch aufgebaute Kuchen- und Tortenvitrine! Und zwar mit allem, was das Herz begehrte: Lecker sahnige oder fruchtige Stücke, die alle „Komm, iß mich!“ riefen! Puuuh, da kann das eiserne Figurbewusstsein schonmal ins Wanken geraten. Aber an diesem Abend hatte ich mich schon dem Malzsaft versprochen, also blieb ich stark. Eine schöne Idee war es dennoch :).

Bier in der BarbieBarUm nicht doch noch schwach zu werden, versuchte ich einfach, die Vitrine zu ignorieren und inspizierte stattdessen die anderen Teile der Bar. Gesagt, getan. Nach nur einer halben Kopfdrehung hatte ich dann auch schon mein persönliches Highlight des Abends ausgemacht: Ein langgezogenes Regal, auf dem verschiedene Barbie-Puppen sitzend, stehend oder liegend platziert waren. Irgendwie witzig, weil es absolut ins Konzept passte und Erinnerungen an mein Barbie-Traumhaus wach rief, aber irgendwie auch ein bisschen gruselig, von so vielen Puppenköpfen angestarrt zu werden :D. Doch Abhilfe folgte auf dem Fuß – der flotte Barmann schien nämlich schon wieder meine Blicke gelesen zu haben und brachte gegen den Gruselschreck direkt das kühle Dunkle zum Tisch! Tja, was soll ich sagen?! Das schmeckte natürlich so, wie man es von einem ordentlichen Schwarzbier gewohnt ist: fein-herb mit einer leicht malzigen Note! Vergessen waren die glotzenden Barbie-Puppen :).

Dazu gab es für meine Begleitung noch eine schöne Überraschung oben drauf: die Raucherlizenz! Kein vor-der-Tür-stehen-und-bibbern oder in-einem-extra-Raum-noch-den-Qualm-von-100-anderen-Leuten-einatmen – Nein! Hier konnte er sich ganz entspannt den einen oder anderen Glimmstängel gönnen, ohne auf Andere Rücksicht nehmen zu müssen. Und da ich noch nicht sooo lange komplette Nichtraucherin bin, schnüffelt meine Nase auch mal ganz gerne den frischen Qualm einer Pallmall ;).

Insgesamt war es also ein durchaus gelungener Abend in Barbie’s kleiner Traumhaus-Taverne. Vom Ambiente her fand ich es nicht überkitschig (da hätte ich es mir sogar fast noch etwas kitschiger gewünscht), dafür aber sehr gemütlich und preislich im Rahmen. Das nächste Mal stehen definitiv die Kuchen und Torten aus der Bar-Vitrine auf dem Plan – schließlich gehört das doch auch zu einer richtigen Barbie-Tavernen-Party dazu, oder 😉 ?!

Werbeanzeigen

Einmal Himmel und zurück

Gepostet am Aktualisiert am

Schon seit Kindertagen wird einem immer wieder gepredigt, ein guter Mensch zu sein. Gute Menschen kommen schließlich in den Himmel! Die bösen hingegen müssen auf alle Ewigkeit ihr Dasein in der Hölle fristen. Blöd nur, dass noch niemand gesehen hat, ob sich die Anstrengungen für den Weg ins Himmelreich tatsächlich lohnen. Ich meine, wer will schon den ganzen Tag mit Harfenmusik beschallt werden und unentwegt Weintrauben in sich reinstopfen?! Oder sich im Winter bibbernd in seine leichten Federflügel kuscheln, während die diabolische Konkurrenz ein paar hundert Kilometer entfernt feucht-fröhlich um ein warm loderndes Feuerlein tanzt? Um euch dahingehend ein bisschen zu ermutigen, habe ich vergangene Woche mit einem Freund eine Bar besucht, die dem Namen nach ein echter Experte auf dem Gebiet zu sein scheint: das gay-friendly „Himmelreich“ in Friedrichshain.

Himmelreich Bar FriedrichshainDass dieser Expertenstatus gerechtfertigt sein muss, ließ bereits die Außenerscheinung des kleinen Lokals vermuten: Eine rot leuchtende Lichterkette über dem Eingang wies einem nämlich unmittelbar den Weg hinein – ganz nach dem Motto „Geh auf das Licht zu!“ Davon war dann drinnen allerdings kaum noch etwas zu merken. Bei der schummrig-roten Beleuchtung habe ich erstmal ein paar Sekunden gebraucht, um mich wieder orientieren zu können. Als sich meine Augen dann aber an das (kaum vorhandene) Licht gewöhnt hatten, fand ich es eigentlich ganz gemütlich. Da meine Begleitung schon öfter hier war, stürmte sie ehrgeizig und mit einem entschlossenen „Nichts-hält-mich-auf“-Gesicht in den hinteren Bereich. Ich konnte nur noch ganz schwach etwas von „Da geht’s zum Raucherbereich!“ wahrnehmen. Interessant, interessant – im Himmelreich gibt es also einen sündigen Raucherbereich … :).

Kurz bevor wie uns in die gemütliche Ecke am Fenster setzen wollten, warf mein Freund ein, dass wir die Getränke an der Bar bestellen müssten. Daher kehrten wir nochmal um und stürmten den wirklich dunklen Gang wieder zurück. Am Tresen angekommen, fiel mein Blick direkt auf eine Tafel, die in großen Buchstaben über die heutige „2 for 1“-Aktion informierte! Ich drehte mich zu meiner Begleitung, die schon bereitwillig das Portemonnaie gezückt hatte und wissentlich grinste! Mit einem „Was meinst du, warum wir heute hier sind?“ bestellte sie auch schon die erste Runde. Ja, wir waren tatsächlich im Himmelreich angekommen :). Nur leider, leider galt dieses phantastische Angebot nur für Biere vom Fass (3,00 €), sodass mir meine Abstinenz auf Zeit mal wieder im Wege stand. So kam ich weder in den Genuss eines frisch gezapften Malztrankes, noch konnte ich dabei ein paar Penunzen sparen. Mit 2,70 € für ein kleines Alkoholfreies war ich allerdings immer noch weit von einer abendlichen Bar-Armut entfernt ;).

Himmelreich FriedrichshainMit (mehr oder weniger zufriedenstellenden) Getränken versorgt, schlichen wir nun bereits zum dritten Mal den dunklen Gang in Richtung Raucherzimmer entlang. Der Platz am Fenster hatte scheinbar auf uns gewartet, sodass wir uns endlich hinsetzen konnten. Erschöpft von der Rennerei blieb nun ein bisschen Zeit, um sich näher umzusehen. Wie ihr ja mittlerweile wisst, bin ich ein großer Fan von Einrichtungen à la Wohnzimmer – und auch hier kam ich wieder voll auf meine Kosten: Breite gemütliche Sessel mit dezenten Mustern umgaben jeweils einen kleinen runden Holztisch, auf dem eine süße Lampe oder Kerze für ein warmes Ambiente sorgte. Ich saß gerademal drei Minuten auf meinem Platz und fühlte mich schon rundum wohl! Wieder ein Indiz für ein echtes Himmelreich.

Diese Wohlfühlatmosphäre hatte offenbar auch die zwei männlichen Gäste am anderen Ende des Raumes beflügelt, die unentwegt Zärtlichkeiten austauschten. Selbst von der für Bar-Verhältnisse lauten Musik (der Besitzer schien offenbar ein bekennender Pink-Fan zu sein) ließen sich die beiden nicht stören. Erst, als ihre nachgekommenen Freunde am Platz eintrafen, konnten sie sich wieder voneinander lösen. Oh man, muss junge Liebe schön sein … :). In diesem Bewusstsein tranken wir aus und begaben uns schließlich wieder zurück in die irdische Realität.

Alles in allem war ich echt begeistert von dem kleinen Himmelreich in der Simon-Dach-Straße. Ein entspanntes, mit Liebe erfülltes ( 🙂 ) Publikum, mein heiß geliebter gemütlicher Wohnzimmerstil und schließlich die gedimmte Beleuchtung sorgten für eine absolute Rundum-Wohlfühl-Atmosphäre. Wenn’s im Himmel auch nur eine solche Bar gibt, lohnt es sich defintiv, ein guter Mensch zu sein :).

Jedem sein (schmutziges) Hobby

Gepostet am Aktualisiert am

Vielfalt. Toleranz. Entfaltungsfreiheit. Besonders für Randgruppen sind solche Eigenschaften von großer Bedeutung, da sie gesellschaftlich vor allem in kleineren Städten und Gemeinden ausgegrenzt werden. Ich brauche wohl an dieser Stelle nicht zu erwähnen, dass gerade Berlin für eben diese Begriffe bekannt ist. Daher verwundert es auch wenig, dass die Schwulen- und Lesbenszene hier sehr stark ausgeprägt ist. Da allerdings auch Heteros darin herzlich willkommen sind, hatte ich anlässlich des Herrentags gestern die Gelegenheit, mit ein paar Freunden für einige Stunden in diese schillernde Welt einzutauchen.

Eingang Bar zum schmutzigen HobbyOrt des Geschehens war die „Bar zum schmutzigen Hobby“, die sich seit einiger Zeit auf dem RAW-Gelände/Friedrichshain niedergelassen hat. Zwischen Cassiopeia und Urban Spree wirkt der kleine Laden am mittleren Zufahrtsweg zunächst recht unscheinbar. Der hämmernde Bass und die schrillen Töne der (vorwiegend) 80er/90er-Musik erhaschen jedoch schnell die Aufmerksamkeit der vorbeilaufenden Party-Gänger. Getreu dem Motto: „Lustige Musik? Geil, da gucken wir mal hin!“ zog auch uns die Neugier zu dem spärlich beleuchteten Gebäude. Der Türsteher sah skeptisch in Taschen und Beutel, ließ sich allerdings von meinem Fleischvorrat aus der alljährlichen Herrentags-Grill-Tradition nicht weiter stören. Ohne Eintritt, dafür mit viel Feierlaune betraten wir schließlich das Innenleben des Clubs. Eines vorweg: Wer auf Großraum-Discotheken steht oder klaustrophobische Wesenszüge besitzt, sollte definitiv keinen Fuß in diese Tanzbar setzen! Dem viel zu hohen Ansturm ist das „schmutzige Hobby“ nämlich wahrlich nicht gewachsen, obwohl man mit einem recht weitläufigen Außenbereich schon versucht hat, das Publikum ein wenig zu verteilen. Nichtdestotrotz strahlt der Laden durch seine liebevolle Einrichtung mit Sofas, Tapete und Bildern an den Wänden sehr viel Gemütlichkeit aus. Es ist fast so, als befände man sich im Wohnzimmer eines Freundes, dessen Eltern verreist sind und dieser das nun mit einer Hausparty zelebriert.

Genauso kann man sich dort auch das Publikum vorstellen: einfach bunt durchmischt! Es sind keinesfalls nur homosexuelle Party-Gäste dort, auch Heteros sind -an diesem Abend sogar fast in der Überzahl- vertreten. Auffallend ist dabei der ziemlich hohe Anteil an Touristen, wodurch das „schmutzige Hobby“ einen Hauch internationales Flair bekommt. Zu moderaten Preisen (kleines Bier 2,50 €, Cocktails ab 6,00 €) kann man so mit den verschiedensten Nationen und vor allem auch in verschiedensten Sprachen anstoßen. Einziger Wehrmutstropfen: die Toiletten! Leider gibt es keine richtige Trennung von Männern und Frauen, sodass man sich – ob man will oder nicht – den intimen Ort der menschlichen Bedürfnisse mit dem anderen Geschlecht teilt. Dementsprechend heruntergekommen sehen die zwei kleinen Kabinen auch aus. Wer ein Freund anschließender Handhygiene ist, sollte sich unbedingt eine kleine Flasche Desinfektionsgel mitnehmen. Seife und Waschbecken sind nämlich leider auch Mangelware!

Abgesehen davon ist die „Bar zum schmutzigen Hobby“ definitiv einen Besuch wert! Ein so durchmischtes Publikum, das friedlich miteinander feiert, erlebt man nicht allzu häufig in der Hauptstadt. Da kann sich das Testosteron-geladene Hetero-Partyvolk getrost mal eine Scheibe von abschneiden :).