Neukölln

… wenn die Hochzeitsglocken läuten

Gepostet am Aktualisiert am

Letzte Woche hatte ich es ja schon angekündigt, diese ist es nun soweit gewesen: Die Hochzeit der Schwester meines Liebsten stand auf dem Programm. Und weil die nicht gerade um die Ecke wohnt, kamen wir neben den üblichen Geschenkebesorgungen auch gleich noch in den Genuss einer sechsstündigen Busfahrt – ihr seht, ein entspanntes Wochenende durch und durch :D.

Leider blieb bei dem ganzen Trubel keine Zeit mehr für einen neuen Beitrag. Deshalb muss ich euch heute mit meiner neuesten Kiezentdeckung auf nächste Woche vertrösten. Aber keine Sorge: So ganz ohne was will ich euch auch nicht in den Sonntag schicken. Also habe ich mal ein bisschen im Archiv gewühlt und dieses tolle Brauhaus (wieder-) entdeckt. Bei den wolkigen Aussichten draußen ist das doch definitiv eine Reise wert ;).
In diesem Sinne: Bis nächsten Sonntag und bleibt gespannt … ;).

Advertisements

Mit Schirm, Charme und … Eiscreme?!

Gepostet am

Heute kann ich es endlich stolz verkünden: Die Bakterienfront ist offiziell besiegt – oder zumindest vorerst in die Flucht geschlagen :).  Schon beeindruckend, was eine Woche Zwangsschonung und Medikamente so ausmachen können. Gut, der Hals kratzt zwar noch ein bisschen, aber im Vergleich zu letzter Woche fühle ich mich wieder wie Hulk zu seinen Wutzeiten. Außerdem gibt es ja zur Not auch dieses eine besondere Mittel, wenn sich Freund Gurgel gar nicht mehr beruhigen will. Na? Kommt ihr drauf? Richtig: die gute alte Eiscreme. Und weil Vorsicht bekanntlich besser ist als Nachsicht (und nur deswegen! 😉 ), zog es mich gestern ins nahe gelegene Eiscafé „Fior di Mocca“ am S-Bahnhof Hermannstraße.  Den Rest des Beitrags lesen »

Dem Himmel eine Klunker-Spitze näher

Gepostet am

Das Fliegen hat die Menschheit schon seit jeher fasziniert. Doch seit dem Start der ersten Serienflieger hat sich am Ausflugsziel „hohe Lüfte“ einiges geändert. Für viele ist es nicht mehr nur ein Weg, um schnell von A nach B zu kommen, sondern auch, um sich den besonderen Nervenkitzel zu holen. So kenne ich selbst eine Menge Leute, für die zum Beispiel ein Fallschirmsprung die ideale Ergänzung zu einer stressigen Arbeitswoche ist. Ich muss ehrlich gestehen, dass sowas für mich überhaupt nicht in Frage kommen würde. Alleine schon die Vorstellung, ohne Bodenkontakt in der Luft herum zu schweben, löst bei mir statt einem Hallejuja-Gefühl eher die pure Todesangst aus. Nicht aber so mein Liebster, der solche Flug-Szenarien immer mit einem begeisterten „Hrr hrr“ und einem Ellenbogenstupser in meine Hüfte kommentiert. Um mich nun auch ein bisschen vom Erlebnis „luftige Höhe“ zu überzeugen, schleppte er mich vergangenen Samstag in eine Bar der besonderen Art: den „Klunkerkranich“ auf dem Dach der „Neukölln Arcaden“.

Ein bisschen befremdlich war die Situation schon, als wir auf dem Weg zu einem entspannten Freitagsdrink durch ein überfülltes Einkaufscenter düsten. Trinken und Shopping haben ja irgendwie genauso viel gemeinsam wie Bier und Pfefferminztee. Aber naja, der Konzepte gibt es viele und vielleicht erwartete uns ja eine echte Überraschung. (Ich kann hier schonmal vorweg nehmen: Ja, das tat es!) Doch zunächst galt es herauszufinden, wo denn der Fahrstuhl ins trinkerische Glück abfuhr. Der „Klunkerkranich“ befindet sich nämlich nicht direkt im Center selbst, sondern ist nur über einen kleinen Fußmarsch auf dem höchsten Parkdeck zu erreichen. Nach circa 15 Minuten dümmlichen Rumirrens erreichte ich mit meinem Auskenn-Ass schließlich die schweren Eisentüren des Lifts. Ein Klick auf den Knopf, zehn Minuten Warterei und eine stockende Fahrt später, standen wir auch schon auf dem betonierten Boden der Parkebene fünf. Glücklicherweise wies uns dort direkt ein hölzernes Schild den richtigen Weg, sodass uns eine weitere Portion Orientierungslosigkeit erspart blieb. Sehr gut!

Aussicht KlunkergartenWährend wir uns dem Ziel näherten und ich ein frisches Bier schon förmlich auf der Zunge schmecken konnte, fiel unser Blick durch die offenen Stellen des Parkhauses: Was für eine Aussicht! Ich merkte richtig, wie sich die eben noch auf der Zunge gelegene Aufmerksamkeit in meinen Augenhöhlen einnistete und mir ein raunendes „Wow“ entlockte. Vor uns erstreckte sich nämlich die Skyline Berlins – allerdings nicht in so spielzeughafter Höhe, wie man es vielleicht vom Fernsehturm aus kennt, sondern irgendwie ebenbürtiger. Man befand sich zwar auf einer höheren Ebene, war aber dennoch nicht zu weit entfernt. Als wir uns für’s Erste satt gesehen hatten, setzten wir die Mission „Finde den Weg zum Klunkerkranich“ umso gespannter fort.

Nach einem weiteren kleinen Fußmarsch von etwa zwei Minuten über eine kurvige Schräge nach oben hatten wir es endlich geschafft. Gut gelaunt und frohen Mutes wollte ich nun das Ziel erkunden, wurde aber von einer schweren Hand auf meiner Schulter gestoppt: „Heute ist Eintritt. 3,00 €.“ Eine Bar mit Eintrittspreisen?! Wirklich? Ich schaute verwirrt zu dem mürrisch drein guckenden Türsteher und drehte mich dann weiter zu meinem Freund. Der zuckte nur mit den Schultern und verzog sein Gesicht à la: „Ich komm zwar mit, finde es aber blöd.“ Recht hatte er! Es war blöd. Deshalb verneinte ich höflich und wir räumten das Feld.

Klunkergarten BerlinAls wir nun enttäuscht den Weg zurück antraten, bemerkten wir plötzlich den kleinen alternativ-angehauchten Garten nebenan: Eine hölzerne Bar, einige hölzerne Sitzbänke und eine ebenso atemberaubende Aussicht. Warum zur Hölle soll ich da noch extra Eintrittsgeld bezahlen?! So ließen wir uns dort nieder und genossen für ein paar Minuten den Panoramablick in grün-urbaner Atmosphäre. Kurz darauf meldete sich mein Feierabenddurst zurück. Mit einem leisen Stöhner raffte ich mich wieder auf, um ihn durch einen kleinen Besuch an der Bar endlich zufrieden zu stellen. Klunkergarten BerlinJe näher ich allerdings der Preistafel kam, umso mehr stellte ich mein edles Vorhaben in Frage: Softdrinks für 4,50 € und Cocktails ab 7,00 €! Puuuh, das würde Freund Portemonnaie aber ganz schön ins Schwitzen bringen. Zu seinem Glück war die Bar jedoch unbesetzt, sodass ich -selbst, wenn ich etwas kaufen hätte wollen- an der ausbaufähigen Personalbesetzung gescheitert wäre. Also kehrte ich (zugegeben etwas unzufrieden) zurück zu meinem Liebsten und wir räumten erneut das Feld – diesmal in dem Bewusstsein, hier nicht nochmal so schnell aufzuschlagen.

Fazit des Abends: Meine Abneigung gegen luftige Höhen hat sich wieder einmal bestätigt – auch, wenn es diesmal nicht an der luftigen Höhe selbst lag. Die Location sorgte mit ihrer grün-urbanen Aufmachung und dem herrlichen Ausblick zwar für einen gewissen Wohlfühlfaktor, die harsche Türpolitik und die für mein Empfinden völlig überzogenen Preise konnte sie damit allerdings nicht aufwiegen. Auf mich wirkte der „Klunkerkranich“ wie eine dieser typischen Hipster-/Touri-Bars, wo ich nicht unbedingt ein zweites Mal hingehen muss. Alleine aber wegen der Aussicht empfehle ich zumindest einen Besuch im „Klunkergarten“ – Getränke kann man sich dorthin nämlich auch selbst mitbringen ;).

Des Döners neue Kleider

Gepostet am Aktualisiert am

Ich höre meine Mutter noch sagen: „Kind, iß nicht immer dasselbe, sonst schmeckt es dir irgendwann nicht mehr!“ Und was habe ich getan? Richtig! Immer und immer wieder meine Lieblingsschokolade gegessen – bis ich sie irgendwann nicht mehr sehen konnte. Leider bekamen das meine Großeltern viel zu spät mit, sodass ich noch Monate nach meiner (un-) freiwilligen Abstinenz „Freude“ daran hatte. Seitdem bekomme ich noch heute eine Gänsehaut beim Anblick des süßen Teufelszeugs. ‚Schlimm genug‘, mag man nun denken, ‚aber immerhin hat sie draus gelernt.‘ Ja, das würde ich gerne so unterschreiben, entspräche allerdings nicht ganz der Wahrheit. Denn neben der Schoki passierte mir dieses Debakel auch noch mit diversen Nudelgerichten, Pizza und -eigentlich fast klar für eine Berlinerin- dem Döner. Daher war ich weniger erfreut, als mich mein Liebster letztens überredete, mal einen Kebap bei „Nur Gemüse Kebap“ zu probieren.

Nur Gemüse KebapAngeblich sollten diese Fleisch-und-Gemüse-im-Brot-Variationen nicht der typischen Machart entsprechen, sondern sich durch besondere Zutaten unterscheiden. Davon hatte offenbar auch schon halb Neukölln Wind bekommen, denn als wir die kleine Bude an der Hermannstraße erreichten, zog sich die Schlange fast bis zur S-Bahn-Station. Ich muss gestehen, dass ich mich von sowas immer gerne beeindrucken lasse. Wenn Leute für etwas anstehen, dann muss es wohl gut sein. Vielleicht ist das noch einem kleinen Überbleibsel aus meiner kurzen Ost-Vergangenheit geschuldet :). Auf jeden Fall war ich dem anstehenden Döner-Mahl nun deutlich freudiger zugesinnt als noch ein paar Stunden zuvor.

Nach circa fünfzehn Minuten waren wir endlich an der Reihe. Erst jetzt konnte ich nachvollziehen, warum die Bestellung bei den anderen Gästen so lange gedauert hatte. Ein kleiner Aufkleber an der Theke wies nämlich erst auf die zehn (!) verschiedenen Soßen hin, die man für seinen Döner (vegetarisch, mit Käse oder Huhn)  wählen konnte. Und die bestanden nicht etwa nur aus Kräuter- und Gewürzkompositionen – auch exotischere Varianten wie Avocado oder Mango konnten als Grundlage des Berliner Traditionsgerichtes dienen. Nachdem ich mich mit der typisch fraulichen Entscheidungsfreudigkeit endlich auf die Avocado-Soße festgelegt hatte, folgte prompt die Frage nach den weiteren Zutaten. Diesmal galt es auszumachen, ob ich Grillgemüse (Kartoffeln, Paprika etc.) dazu möchte und welche der typischen Salatsorten. Verrückt wie ich war, nahm ich einfach alles 🙂 und griff anschließend zufrieden nach der fertig eingepackten Fleischtasche mit Huhn (vegetarisch ist ja nun echt nicht so meins 😉 ).

Als Gegenleistung packte ich dem hektischen, aber dennoch freundlichen Kebapmeister meine 2,80 € auf den Tresen. Wenn man bedenkt, wie die Döner-Preise über die letzten Jahre gestiegen sind, ist das ein echtes Schnäppchen! Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich das letzte Mal eine zwei vor dem Komma auf einer Kebap-Preistafel gesehen habe! Da kamen dann doch wieder ein paar Zweifel auf, ob der Fleisch-Gemüse-Brot-Mix nicht geschmackliche Einbußen fordert …

Döner mit Gemüse und HühnchenUnd ich kann euch beruhigen: Das tut er nicht! Ganz im Gegenteil! Obwohl ich eigentlich echt keine Döner mehr sehen konnte, habe ich dieses Exemplar geradezu weggeatmet. Die Kombination aus knackig-gegrilltem Gemüse mit knusprigen Hähnchenstreifen und dem warmen, frischen Brot war wahrlich eine Gaumenfreude! Die Avocadocreme-Soße sorgte noch für das gewisse i-Tüpfelchen und machte aus dem Döner einen echten Über-Döner. Mit dem typischen Imbissbuden-Kebap an der Ecke hatte diese Kreation auf jeden Fall nichts mehr zu tun!

Fazit des Ganzen: Eine wirklich ganz neue Interpretation des typischen Döners mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis. Diese kleine leckere Fleisch-Gemüse-Tasche hat es tatsächlich geschafft, mir meine Lust am Kebap wiederzugeben. Hoffentlich behalte ich dieses Mal Muttis Worte im Ohr und schaufel sie nicht wieder bei jeder Gelegenheit in mich rein. Das Suchtpotenzial ist hier nämlich definitiv vorhanden :).

Treffpunkt: Szene-Kiez Neukölln

Gepostet am Aktualisiert am

Szenig, szeniger, Neukölln. ‚Hoppla‘, werden nun die Berliner unter euch denken, ‚da hat wohl jemand etwas verwechselt!‘ Und ich gebe euch recht, auch für mich hört sich das noch ein bisschen befremdlich an. Doch Tatsache ist: Was früher noch ein Gegensatz in sich zu sein schien, verschmilzt langsam aber sicher immer mehr zu einem stimmigen Bild. Und so sind mittlerweile ganze Straßenzüge im sonst so verrufenen Viertel dem Bergmann- oder Simon-Dach-Kiez zum Verwechseln ähnlich. Statt Dürum und Falafel stehen nun Latte Macciato und grüne Smoothies auf der Tageskarte. Grund genug für mich, mir mal ein eigenes Bild von der Situation zu machen. Also schnappte ich mir vorgestern Freund und Geld (bloß nicht zuviel – man ist ja schließlich immernoch in Neukölln 🙂 ) und machte mich auf, das Herzstück des hippen Neuköllns zu erkunden: den Reuter-Kiez.

Weserstraße NeuköllnStartpunkt war dabei der gute alte Hermannplatz, der sich nach wie vor unbeeindruckt von den Entwicklungen im Bezirk zeigt – von Hipness jedenfalls nicht die geringste Spur. Ganz im Gegenteil: Das Straßenbild zeigte sich vornehmlich in kleinen An -und Verkaufsläden, orientalischen Leuchtreklamen und alten, teilweise verfallenen Hausfassaden. Alles wenig einladend, aber nicht weiter überraschend – so kennt man Neukölln eben. Interessanter wurde es jedoch, als wir die Sonnenallee überquerten und uns den Weg über die Weserstraße nach Osten bahnten. Denn hier begann das, wovon man in letzter Zeit immer mehr gehört hatte: die szenige Bar- und Restaurantlandschaft des Reuterkiezes. Wirklich kurios war aber vor allem die abrupte Veränderung der Gegend. Obwohl man keine zehn Minuten gelaufen war, hatte man das Gefühl, auf der Simon-Dach-Straße zu flanieren: Überall kleine Straßencafes, die mit ihren Schildern auf selbstgemachten Kuchen und Eisschokoladen hinwiesen oder Bars und Restaurants, die mit günstigen Cocktailangeboten lockten.

Barettino BerlinNatürlich ließen wir es uns nicht nehmen, wenigstens in einem der kleinen Cafes eine Kleinigkeit zu probieren. Die Wahl fiel dabei auf das charmante, niedliche „Barettino“, das mich mit seinem angepriesenen Eiskaffee direkt geködert hatte. Als wir Platz genommen hatten, ließ der freundliche Kellner auch nicht lange auf sich warten und nahm zügig unsere Bestellung entgegen: Voller Vorfreude orderte ich den besagten Eiskaffee mit Vanilleeis (3,50 €), während sich mein Freund ein aufregendes Glas sprudelndes Mineralwasser (1,50 €) gönnte – inklusive Zitrone :). Da wir beide schon gegessen hatten, kamen wir leider nicht in den Genuss der kleinen selbstgemachten Snacks des Hauses. Schade eigentlich, weil mich die Panini-Variationen für circa 4,50 € schon gereizt hätten. Barettino Berlin draußenImmerhin konnte ich mich nach ein paar Minuten mit einer kühlen Dosis Köstlichkeit trösten. Leider war der Trost nicht von allzu langer Dauer, weil die Größe des Glases wohl eher auf das sonst etwas figurbewusstere Publikum zugeschnitten war. Nachdem ich dreimal kräftig am Strohhalm gezogen hatte, war der Spaß schon vorbei. Und das für 3,50 €! Spätestens jetzt war mir klar, dass wir uns tatsächlich inmitten eines Szene-Kiezes wiederfanden! Nach der -wirklich- kleinen Stärkung traten wir mit neuen Erkenntnissen und einem etwas mulmigen Gefühl den Heimweg an.

Fazit unseres Ausflugs: Zwar ist das Reuter-Kiez mit seinen vielen Bars und Cafes wirklich nett anzusehen, allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob Berlin tatsächlich noch ein Szeneviertel braucht. Denn bedeutende Unterschiede oder Highlights konnte ich bei meinem Spaziergang dort nicht feststellen. Auch die Anwohner des Neuköllner Nordens wirkten auf mich nicht wie die typischen Eiskaffee -und Smoothie-Zutscher. Und selbst, wenn einen davon doch mal die Lust darauf packen sollte, wären die nächsten Szene-Kieze ja nur einen Katzensprung entfernt … :).

Münchner Braukunst mit einem Hauch von Orient

Gepostet am Aktualisiert am

Bald ist es wieder soweit: Wie jedes Jahr im Oktober pilgert die halbe Welt nach München und vergisst für drei Tage die gute Kinderstube, die eigene Schmerzgrenze für Alkohol und schließlich auch, wie man überhaupt hierher gekommen war. So ein Festzelt mit grölenden, schunkelnden Fremden von überall her ist aber auch animierend. Wer kann schon „nein“ zu jemandem sagen, der einen in enger Lederhose, lallendem Akzent und verdrehtem Blick zum Anstoßen mit der Maß auffordert?! Bedeutend gediegener geht es da schon in der Hauptstadt zu. Zwar gibt es auch hier eine mehr oder weniger gelungene Kopie des Oktoberfestes, allerdings erfreuen sich die vielen Brauhäuser -soweit ich das mitbekommen habe- einer deutlich größeren Beliebtheit. Unter ihnen sind auch einige mit sehr langer Tradition, wovon ich gestern endlich mal eines besuchte: das „Brauhaus Rixdorf“.

Eingang Brauhaus RixdorfIn der sonst eher orientalisch-geprägten Gegend rund um die Hermannstraße ist das Brauhaus mit seiner typisch deutschen Küche wohl eines der Dinge, die man dort am wenigsten vermuten würde. Als ehemaliges Heim einer Eisengießerfamilie aus dem Jahr 1885 ist es dort allerdings schon mindestens so lange angesiedelt, wie ein Großteil der umliegenden Häuser. Auch von der äußeren Erscheinung unterscheidet es sich nicht viel von seinen Nachbarn. Lediglich seine beeindruckende Größe lässt einen zweimal hinschauen. Trotzdem: Wenn ich gestern nicht von meinem Freund direkt dorthin geführt worden wäre, hätte ich mich wahrscheinlich hoffnungslos in irgendeine Spelunke (woran es Neukölln -nebenbei bemerkt- wirklich nicht mangelt) verirrt.

Nachdem wir der Beschilderung gefolgt waren, blickten wir voller Neugier auf unser endlich erreichtes Freitag-Abend-Ziel: den Biergarten des „Brauhauses Rixdorf“. Und dieser zeigte sich wahrlich von seiner schönsten Seite. Wären wir zuvor nicht noch einigen kieztypischen Einwohnern begegnet, die sich gedankenverloren den beruhigenden Klängen der Polizeisirenen hingaben, wäre ich fast auf den Gedanken gekommen, tatsächlich an einem lauschigen Ort irgendwo in Bayern zu sein. Das war vor allem den rustikalen Holzbänken und -tischen geschuldet, die eine Atmosphäre erzeugten, wie man sie aus der Erdinger-Werbung kennt. Die schattenspendenden Bäume und die den Garten umgebende Mauer schafften außerdem eine Abgrenzung zur Straße, sodass man vom freitagabendlichen Neukölln-Trubel so gut wie nichts mitbekam.

Nachdem wir Platz genommen hatten, wurde uns von der freundlichen Kellnerin im Dirndl (!) die Speise- und Getränkekarte gereicht. Neben einigen selbstgebrauten Biersorten standen dabei auch diverse bekannte Flaschenbiere, Wein und natürlich Softdrinks zur Auswahl. Dem kleinen (oder eher großen) Hunger wurde mit typisch zünftiger Hausmannskost der Garaus gemacht. Allerdings sollte man bei großem Hunger mit einer gut ausgestatteten Geldbörse kommen. Die Schweinshaxe schlägt nämlich mit ganzen 13,50 € zu Buche, während ein Eisbein dagegen „schon“ für 11,90 € zu haben ist. Wie ich jedoch aus sicherer Entfernung beobachten konnte, wurde das nervige Grummeln im Magen mit der gelieferten Portionsgröße zumindest zufriedenstellend bekämpft :).

Rixdorfer BierDa wir bereits gut zu Mittag gegessen hatten, entschieden wir uns für die selbstgebrauten Biersorten „Rixdorfer hell“ und „dunkel“. Während die helle Variante (für mich einen Ticken zu) milde daher kam, konnte das dunkle Bier mit seinem sehr würzigen und vollmundigen Geschmack punkten. Die 3,50 € pro halber Liter habe ich daher sehr gerne bezahlt. Wann kommt man schließlich schonmal in den Genuss von selbstgebrautem Bier 😉 ?!

Insgesamt muss ich sagen, dass mir der Abend im „Brauhaus Rixdorf“ ausnehmend gut gefallen hat! Nicht nur wegen der urig-typischen Biergartenatmosphäre oder der ausgefeilten Braukunst des Hauses, auch fand ich die Abgrenzung des Mini-Bayerns vom typischen Neuköllner Straßenbild äußerst beeindruckend. Ein Tisch für das Oktoberfest ist -zumindest gedanklich- schonmal vorreserviert ;).

Das blumige Gesicht Neuköllns

Gepostet am Aktualisiert am

Seit nunmehr fast 30 Jahren ist die Hauptstadt mein Zuhause. Hier bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe studiert. Um ehrlich zu sein, habe ich auch noch nie daran gedacht, wegzugehen. Warum auch?! Schließlich gibt es den Facettenreichtum Berlins an kaum einem anderen Ort. Dennoch muss ich zugeben, dass ich nicht alle Seiten der Hauptstadt mag. Gewisse Gegenden meidet man einfach lieber – teilweise wegen schlechter Erfahrungen, teilweise wegen ihres umstrittenen Rufs. Eine davon ist definitiv Neukölln. Ob Hermannstraße, Hermannplatz oder Sonnenallee – irgendwie wirkten die verfallenen Häuser und zum Teil zwielichtigen Gestalten noch nie besonders einladend auf mich. Vergangenen Donnerstag wurde ich allerdings eines Besseren belehrt und entdeckte eine völlig neue Seite am verrufenen Neukölln. Der südliche Teil des Bezirks (Britz) birgt nämlich eine wahre Ruhe-Oase: den „Britzer Garten“.

Karte Britzer GartenMit einem schmalen Eintritt von 2,00 € erhält man an verschiedenen Eingängen Zutritt zum riesigen Parkgelände. Ich nutzte den Eingang Britzer Damm und musste mich drinnen anhand des Lageplans erstmal orientieren: Im Prinzip gibt es einen Rundgang, der an verschiedenen Abzweigungen unterbrochen werden kann. Will man aber alles einmal gesehen haben, ist der Rundgang keine schlechte Idee. Dieser führt an großflächigen Liegewiesen, einem riesigen Teich und verschiedenen Themengärten mit herrlichen Blumen und Kräutern vorbei.

Besonders für Familien mit kleinen Kindern bietet der Garten so einiges: Neben viel Platz zum Austoben sind überall verteilt Holzspielgeräte zu finden sowie ein großer Spielplatz mit angrenzendem Badebassin. Die Tiere des Parks dürften ebenfalls für staunende und leuchtende Kinderaugen sorgen: So gibt es nicht nur die Teichbewohner „Karpfen“ und „Ente“ zu entdecken, sondern auch die typischen Vertreter aus dem Streichelgehege wie Ziege, Schaf und Esel. Während die Kleinen umhertollen, können die Großen entweder ausspannen oder sich bei einer Partie Minigolf in sportlichem Geschick üben (3,50 €). Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich schon wesentlich aufregendere Bahnen zu einem besseren Preis gesehen habe. Für mich zählt die Anlage definitiv nicht zu den Highlight des Gartens!

Anderes gilt für die parkeigene Bimmelbahn: Wenn sich der Rundgang -besonders bei warmen Temperaturen- ins schier Unendliche zieht, schwingt man sich einfach in den fast schon malerischen Zug und gönnt den schmerzenden Füßen eine Pause (Rundfahrt: 5,00 €, eine Station: 1,00 €). Die Haltestellen sind flächendeckend im Garten verteilt und gut sichtbar mit kleinen Bahnhofsschildern gekennzeichnet. Allerdings sollte man sich auf eine eher berlinuntypische Wartezeit einstellen: Der Zug kommt nämlich nur einmal pro Stunde! Da ich ihn natürlich gerade verpasst hatte, als mein Fußbrand so richtig in Wallung kam, vertröstete ich mich stattdessen mit einem kleinen Pausenhappen.

Hierfür begibt man sich am besten in die umliegenden Cafes und Restaurants. Bei einemRestaurant Britzer Garten kühlen Getränk oder leckeren Snack vergeht die Zeit schließlich wie im Fluge. Dabei wird das Portemonnaie auch nicht übermäßig beansprucht. Die meisten Lokalitäten haben ein Preisniveau mit Imbissbuden-Charakter. Ich entschied mich für ein -dem Wetter entsprechend- erfrischendes Eis vom Italiener (je Kugel: 1,00 €). Und das Eis wirkte tatsächlich Wunder bei der Hitze – so verzichtete ich auf eine wilde Fahrt mit der Bahn und schlenderte gut durchgekühlt in Richtung Ausgang.

Insgesamt muss ich zugeben, dass mich die gepflegte Aufmachung und das entspannte Ambiente des Britzer Gartens wirklich positiv überrascht hat. Eine solche Anlage hätte ich wohl nie im vermeintlich „bösen“ Neukölln erwartet. Vielleicht ist man manchmal doch etwas zu voreilig mit seiner Meinung über bestimmte Dinge … Ich für meinen Teil habe die Meinige bereits revidiert ;).