Reinickendorf

Ein Winter-Eis-Junkie auf dem Weg zum Dealer

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Wenn uns die Werbung der 90er eines gelehrt hat, dann sind es vor allem drei Dinge: die Frisur hält nur bei Regen, wenn man Drei-Wetter-Taft benutzt, ißt man Produkte von Thomy, blinkt eine goldene Kochmütze auf und: Eis kann man durchaus auch im Winter essen! Naja ok, im Clip von Magnum lag die gute Frau in der heißen Badewanne, was eigentlich schon wieder ein bisschen widersprüchlich ist. Aber trotzdem scheint es ja gezogen zu haben, wenn man an die vielen Wintersorten in den Supermärkten denkt. Ich persönlich muss zugeben, dass ich ebenfalls zu den Winter-Eis-Junkies gehöre. Nur leider kann man seiner Sucht bei frostigen Temperaturen nur bedingt fröhnen, da sich viele Cafés peinlich genau an die Saison halten. Als es mich nun aber letztes Wochenende wiedermal so richtig kribbelte, fand ich im weisen WWW doch noch einen Kämpfer gegen das dürre Angebot der süßen Eisbälle: das „La Piazzetta“ am Kurt-Schumacher-Platz.

Wie gut, dass auch dieses Mal mein eigentlich diätender Freund dabei war, der sich in der Gegend bedeutend besser auskannte als ich. Da brauchte es lediglich einen kurzen Rundum-Check und schon stiefelte er zielsicher voran. Mit einem beeindruckten Nicken stiefelte ich hinterher, wurde dann aber plötzlich durch ein lautes helles Brummen zum Stehenbleiben gebracht. Verwundert schaute ich in die Richtung des Geräusches – und dann sah ich es: Ein aus dem Nebel herankommendes Flugzeug steuerte direkt auf mich zu. Gerade, als ich instinktiv den Kopf einziehen wollte, war die Maschine auch schon wieder über mir verschwunden. Voller Aufregung und Euphorie stolperte ich stracks zu meinem Liebsten, der allerdings nur mit einem trockenen: „Ach ja, da gewöhnt man sich dran. Hier ist ja schließlich gleich der Flughafen in der Nähe!“ antwortete. Na hoffentlich würde das Eis mehr Begeisterung in ihm wecken.

Eis im Eiscafe La PiazzettaGenau das sollten wir auch schnell herausfinden, denn der Fußmarsch zum Café beschränkte sich auf nur wenige Minuten. Ein Blick durch die Scheibe verriet mir, dass es in Reinickendorf offenbar ziemlich wenige Winter-Eis-Junkies gab: Außer der Verkäuferin sah ich sonst niemanden im Laden. Aber umso besser – so hat man wenigstens freie Platzwahl! Also schritten wir entspannt durch die schwere Glastür und suchten uns einen schönen Tisch direkt am Fenster. Der freundlichen Bedienung war der plötzliche Gästeansturm natürlich nicht entgangen, sodass wir – kaum hingesetzt – bereits die Eis- und Getränkekarten in den Händen hielten. Und ich kann euch schonmal verraten: Mir gefiel, was ich dort las! Denn vor mir erstreckte sich ein wahres Sammelsorium an fruchtigen, nussigen und sahnigen Eisbechern – ich brauchte jedenfalls eine ganze Weile, um mich da durchzukämpfen! Mein Liebster hatte währenddessen das erweiterte Angebot unter die Lupe genommen: Kuchen, Crepes und kleine Snacks zählten nämlich ebenfalls zum Kalorienbomben-Repertoire. Nach langem Hin und Her stand die Wahl der Herzspeise dann aber endlich fest. Ich hatte mich zu einem Haselnussbecher (5,70 €) und einem Kaffee (1,90 €) hinreißen lassen, während sich der disziplinierte Diäter einem Stück Käsekuchen (2,70 €) mit schaumigem Latte Macchiato ergab. Die freundliche Bedienung, die unsere Entscheidungsfreude begeistert registriert hatte, eilte daraufhin direkt zum Tisch und nahm emsig die Bestellung auf.

Nun war wieder ein wenig Zeit, um sich umzusehen. Zugegeben, mit besonders schickem Design konnte das „Piazzetta“ nicht gerade punkten, obwohl man sich in der schlichten Umgebung nicht unwohl fühlte: Mit weißen Holztischen und schwarzen Stühlen wurde zumindest ein wenig Kontrast in die sonst eher steril wirkende Atmosphäre gebracht. Dazu hörte man im Hintergund (für meinen Geschmack fast schon ein bisschen zu laut) einen italienischer Radiosender – wenn das Eis genauso authentisch war, konnte ja nichts mehr schief gehen :). Um das jedoch beurteilen zu können, musste ich noch ein Weilchen warten. Denn nach und nach stolperten immer mehr italienische Gäste in das Café, wie dem Klang ihrer zarten Stimmen zu entnehmen war. Tja, sie schien also vorbei zu sein, die Zeit des alleinigen Premiumgastes. Aber immerhin lieferte die wild gestikulierende Meute nochmal eine ordentliche Portion italienisches Flair :).

Kaffee im Eiscafe La PiazzettaNach circa 20 Minuten war es dann aber endlich soweit: Die freundliche Bedienung brachte uns freudestrahlend unsere süßen Köstlichkeiten. Und ich wette, dass ich in diesem Moment mindestens genauso freudestrahlend aussah :). Kaum den Becher unter der Nase, griff ich schon gierig nach dem langen, schlanken Löffel, schöpfte eine gute Portion Sahne-Eis-Haselnuss-Mix ab und legte ihn mir gespannt auf den Gaumen. Oooooh … und der liebte es! Das Eis war so unglaublich cremig-schokoladig, dass ich nur noch ein „mmmmmmh“ hervorbringen konnte. Dazu kam die fluffig-geschlagene Sahne, die in Kombination mit der zart-bitteren Schokosoße und den knackigen Haselnüssen einfach die perfekte Ergänzung schaffte. Eine absolut tolle Wintereiskreation! Aber nicht nur mein Eis war geschmacklich ein voller Erfolg, auch der Käsekuchen meines Liebsten konnte mit viel Fluffigkeit und Cremigkeit punkten. Ich habe ihn zumindest selten so euphorisch schaufeln sehen – vielleicht hat die Diät ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen ;). So oder so konnten wir nach unserem sündig-süßen Erlebnis durchweg zufriedene Bäuche verzeichnen. Und weil mein diätender Kuchen-Vertilger unbedingt bezahlen wollte, verzeichnete auch Freund Portemonnaie einen durchweg zufriedenen Bauch :).

Fazit des Ganzen: Sehr freundliche Bedienung, tolles Eis und in jedem Fall ein authentisches Ambiente! Obwohl ich sagen muss, dass man aus dem Café einrichtungstechnisch noch ein bisschen mehr hätte herausholen können, trumpft es dafür an anderer Stelle wieder ordentlich auf! Denn sowohl das Eis als auch der Kuchen waren wirklich super lecker und werden mich bestimmt nochmal wiederkommen lassen – selbstverständlich gerade in der kalten Jahreszeit ;).

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Mit Mütze und Schal durch’s weiße Winter-Wunderland

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„Morgen gehe ich zur grünen Woche!“ – So meine stolze Ankündigung, als ich mit ein paar Freunden vergangenen Freitag gemütlich im „Trauten Hain“ saß. Und trotz aller Häme, die mir dafür entgegen geschleudert wurde, ließ sich meine Vorfreude nicht im Geringsten trüben. Schließlich lag mein letzter Besuch schon Ewigkeiten zurück – die vielen Gratis-Häppchen vom Probiertablett waren mir allerdings noch sehr gut in Erinnerung geblieben. Umso aufgeregter erwartete ich also den nächsten Tag – bereit, die Welt der Gratis-Häppchen zu erschüttern :). Doch wie schon so oft, machte mir Petrus auch dieses Mal einen Strich durch die Rechnung: Es schneite! Und wie es schneite! Das ließ mein mein schneeliebendes Herz natürlich sofort aufblühen und das Verlangen nach Gratis-Häppchen mit jeder Schneeflocke sinken. Es gab nur noch eine Möglichkeit: Die grüne Woche musste warten! Also trottete ich etwas zerknirscht zu meinem Liebsten und fragte vorsichtig, ob wir nicht lieber das seltene Wetter draußen genießen wollten. Da grinste er nur wissentlich und nickte. Denn heimlich hatte „Mister Hellseher“ sowieso schon andere Pläne geschmiedet und eine Tour zum frostig-weißen „Tegeler See“ ausgetüftelt.

Tegeler InselnUnd die startete am U-Bahnhof Alt-Tegel. Nachdem sich der Tourenplaner aus seiner kurzen Phase der Orientierungslosigkeit zurück gekämpft hatte, schritt er zielsicher voran in Richtung „Tegeler Inseln“. Da ich mich in dieser Gegend (mal wieder) überhaupt nicht auskannte, beschränkte sich mein Zutun lediglich auf zielsicheres „Hinterherdackeln“. Aber naja, das muss ja auch mal sein :). So konnte ich mich zumindest in aller Ruhe auf die beeindruckende Umgebung konzentrieren, die sich vor allem in modernen Neubauten, durchzogen von zahlreichen kleinen und größeren Brücken, zeigte. Dabei wirkte alles derart friedlich, dass ich um einen kurzen Neidanfall nicht herum kam: „Morgen gucken wir mal, ob hier nicht noch Wohnungen zu haben sind!“, flüsterte ich meinem Liebsten entgegen. Doch der grinste nur zurück und streichelte mir sanft über die Wange – wie einem Kind, das gerade erzählt, wie es mal Astronaut werden will. Gut, dann eben nicht.

Tegeler See BerlinEtwas eingeschnappt ließ ich mich trotzdem weiter von ihm führen – vorbei an einem winterlichen Boten mit Bauch, Nase und Stock, bis hin zur zweiten Station unserer Tour: der Uferpromenade am „Tegeler See“. Und hier musste ich erstmal staunend inne halten: Denn vor mir offenbarte sich der größtenteils schneebedeckte See, in dessen Mitte schemenhaft die kleine Insel „Hasselwerder“ zu erkennen war. Das trübe, nieselige Wetter hatte zusätzlich für einen leichten Nebelschleier gesorgt, der das gesamte Bild in eine mystische Atmosphäre tauchte. Mich hätte es in diesem Moment jedenfalls nicht gewundert, wenn noch irgendein Seeungeheuer dazu gestoßen wäre.

Schwäne am Tegeler SeeNachdem ich mich für’s Erste satt gesehen hatte, schlenderten wir – zugegeben mit etwas Gänsehaut auf dem Nacken – weiter die Uferpromenade hinab. Dabei ertappte ich mich doch immer wieder, wie meine Augen staunend den See anstarrten. Erst, als plötzlich ein wildes Gequake vor uns losbrach und mein Liebster mich mit einem: „Oh, pass auf!“ aus den Gedanken riss, war ich wieder da. Tja, was soll ich sagen?! – „Vom Regen in die Traufe“ traf es wohl am Besten. Eben noch an „Nessi“ gedacht, wuselten vor unseren Füßen gefühlte 1000 andere kleine Seeungeheuer umher. Hungrig forderten sie das Brot einer Dame, die es aber auch – zur Verteidigung der kleinen Monster – tütenraschelnd angeboten hatte! Wir hingegen waren für die hungrige Meute weniger gut gewappnet und schlängelten uns daher so unauffällig wie möglich hindurch.

Kreuzung FlughafenseeFroh, an den gefiederten Quakern ungezwickt vorbei gekommen zu sein, setzten wir unseren Weg am Wasser beschwingt fort. Nach ungefähr einer Stunde See-Insel-Nebel-Starrens blieb „Mister Tourenplaner“ plötzlich stehen und befragte an einer Kreuzung abermals Google Maps: „Hier müssen wir abbiegen“, verlangte er schließlich, während sein Finger auf einen breiten, schneebedeckten Waldweg zeigte. Oh, das weckte direkt alte Urlaubserinnerungen! Noch ehe er sich versehen konnte, war ich schon auf dem Weg und stapfte ihn – fast schon ein bisschen übermütig – schnellen Schrittes entlang. Dabei fiel mir auf, dass hier deutlich weniger Leute unterwegs waren als noch am See – endlich mal ein bisschen Ruhe :).

Flughafensee BerlinDoch was wäre ein verschneiter einsamer Wanderweg ohne ein verschneites einsames Gewässer?! – Eben. Nicht ganz so schön :). Das dachte sich wohl auch mein Liebster und lotste mich schließlich zur letzten Station unserer Tour: dem „Flughafensee“. Leider konnte man hier nur stellenweise bis ans Ufer, da einige Teile abgesperrt waren. Doch diese Stellen hatten es dafür umso mehr in sich: Denn der Blick rüber zur anderen Seite war so malerisch wie aus einem Wintermärchen: Eine riesige weiße Schneedecke mit einigen freien Eisfeldern bedeckte den See, der von dunklen, langsam im Dämmerlicht verschwindenden Bäumen, umringt war. Darauf konnte ich nur noch einen kleinen Seufzer von mir geben. Nur leider wurde die beschauliche Stille wieder einmal unterbrochen: Denn frische Luft und Bewegung hatten offenbar Freund Magen aufgeweckt, der sich bedeutend weniger beeindruckt von den Naturschönheiten zeigte. So dauerte es nicht lange, bis sein mürrisches Grummeln auch die Ohren meines Liebsten erreichte: „Na? Haste wieder Hunger?! Komm, wir gehen was essen – hat ja sonst keinen Zweck!“ Ja, Recht hatte er. Wenn der Magen ruft, muss man eben folgen. Und so verabschiedeten wir uns vorerst vom friedlichen Winter-Wunderland, um es wieder gegen das hektische (dafür aber kulinarisch umso wertvollere 😉 ) Großstadtgetümmel einzutauschen.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich unsere Tour durch’s Reinickendorfer Winter-Wunderland wirklich schön fand! Besonders die beiden verschneiten Seen sorgten bei mir für Urlaubsfeeling pur und haben meinen Augen – vor allem in Kombination mit dem Nebel – ein richtiges Naturschauspiel beschert. Trotz der frechen Schwanen-Enten-Bande werde ich sicherlich nochmal wiederkommen. Das nächste Mal vielleicht eher, wenn es etwas wärmer ist – dann gibt es zumindest auch keinen Konflikt mit der grünen Woche ;).