Treptow

Das Haus des weißen Mülls

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Alternativ-urban scheint irgendwie das neue Geheimrezept zu sein, wenn man sich als Bar- oder Clubbetreiber im Berliner Nachtleben einen Namen machen will. Natürlich ist dieser Trend schon seit einiger Zeit erkennbar, aber so richtig fiel er mir erst kürzlich bei einem Spaziergang auf der Schlesischen Straße/Kreuzberg auf. Da gibt es scheinbar keine einzige Location mehr, die nicht mit irgendwelchen pseudo-verrückten Highlights vor dem Eingang auf sich aufmerksam machen möchte. Das gelingt sicherlich auch, allerdings eher im negativen Sinne. Zumindest ich konnte bei vielen Läden ein Hochziehen der Augenbrauen nicht unterdrücken, dicht gefolgt von einem murmelnden: „Sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt“. Schade, denn eigentlich bin ich ein kleiner Fan von diesem Stil, aber leider scheint die Kreativität der Betreiber langsam nachzulassen. Wie gut, dass ich an diesem Abend doch noch eines Besseren belehrt wurde. Richtung Treptow, vorbei am „Club der Visionäre“, fand ich nämlich einen wahren Meister der urban-alternativen Clubatmosphäre: das berühmt-berüchtigte „White Trash“.

White Trash BerlinVom Namen her war mir die Location nicht unbekannt. Schon des Öfteren hatte ich mal an der einen oder anderen Ecke davon gehört und dass es eine echte Koryphäe des Nachtlebens sei. Nun stand ich also davor und musste sagen: Ja! Schon alleine von außen machte die Location wirklich was her! Mit einem hohen, dafür recht licht montierten Zaun aus dünnen Baumstämmen wurde die Bar von der Straße abgeschirmt. Dennoch konnte man hier und da einen Blick auf die höher gelegene Sitzfläche dahinter erhaschen, die von viel Grün umgeben war. Beeindruckt suchten meine Begleitung und ich den Eingang und schoben uns aufgeregt an dem freundlichen Herrn an der Tür vorbei. Drinnen offenbarte sich uns eine kleine Parkanlage, die mit vielen Holzelementen durchzogen war. Überall gab es kleine Separees, in denen man ungestört essen (jedoch erst ab 16 Uhr) und trinken (das schon ab 14 Uhr) konnte. Ein besonderes Highlight, was zumindest bei mir erstmal ein bisschen für Verwirrung sorgte, waren die vielen chinesischen Komponenten, die hier und da zu finden waren. So schmückten den Restauranteingang zum Beispiel zwei fernöstliche Säulen – hätte ich es nicht besser gewusst, wäre ich bei diesem Anblick womöglich auf die Idee gekommen, eine Chinapfanne zu ordern :).

Da ich es allerdings besser wusste, gingen wir direkt zur kleinen Ausschanktheke neben dem Restauranteingang. Nach einem kritischen Blick auf die Getränkekarte bestellte ich ein großes Dunkles (0,5 l für 4,50 €) und mein Freund ein großes Wasser (0,5 l für 2,00 €), da er sich (wiedermal) in einer kämpferischen Phase mit dem eigenen Körpervolumen befand. Preislich muss ich an dieser Stelle anmerken, dass ich schon deutlich günstiger in den Genuss des Hopfenmalz-Saftes gekommen bin. 4,50 € sind für Friedrichshainer Verhältnisse nicht gerade ein Geschenk an den Gast, aber konnten durch unsere schönen Plätze ein bisschen aufgewogen werden.

Über eine kleine Holzbrücke gelangten wir nämlich zu jener oberen Ebene, die ich schon von außen mit leuchtenden Augen und breitem Grinsen bestaunt hatte. Neben unserem Platz waren noch drei andere, größere Tische zu besetzen gewesen, allerdings hatten wir (Petrus sei Dank!) wegen der recht rauen Temperaturen die kleine Sitzecke ganz für uns allein. Umgeben von so viel Grün und zwitschernden, spielenden Spatzen schmeckte das Bier, was ohnehin durch sein malzig-mildes Aroma punktete, gleich doppelt so gut!

Insgesamt hat es das „White Trash“ tatsächlich geschafft, mir den Glauben an die Berliner Club-Kreativität wieder zurückzugeben. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und sich Gedanken um einen möglichst hohen Wohlfühlfaktor gemacht – da kann man auch mal locker über ein, zwei Euro mehr für ein kühles Dunkles hinweg sehen ;).

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